Armutsbericht 2026: „Wenn dieser Trend anhält, ist bald jeder dritte Mensch in Bremen arm.“
13,3 Millionen Menschen leben in Deutschland in Armut. In Bremen weiterhin höchste Armutsquote (27,5 Prozent)
Medieninfo
Bremen/Berlin, 02. Juni 2026. Der Paritätische Gesamtverband hat unter dem Titel „Wachsende Armut, schrumpfende Sicherheit“ seinen neuen Armutsbericht mit alarmierenden Befunden veröffentlicht. Die soziale Spaltung in Deutschland verschärft sich: 13,3 Millionen Menschen lebten 2025 in Armut, die Armutsquote steigt auf 16,1 Prozent. In Bremen steigt die Armutsquote auf 27,5 Prozent, damit bleibt Bremen das Bundesland mit der mit Abstand höchsten Armutsquote. Gleichzeitig wächst die Kluft zwischen Regionen und Bevölkerungsgruppen. Während Armut insgesamt zunimmt, verfestigt sie sich besonders bei Älteren, Frauen und Alleinerziehenden. Die Unterschiede in den Ländern sind erheblich: Während in Bayern etwa jede achte Person von Armut betroffen ist (12,6 %), gilt dies Bremen für mehr als jede vierte Person (27,5,%) und in Sachsen-Anhalt für mehr als jede fünfte Person (21,3 %). Die ganze Pressemitteilung lesen/ Armutsbericht als PDF: www.der-paritaetische.de/armutsbericht
Statement aus Bremen:
„Wenn dieser Trend anhält, ist bald jeder dritte Mensch in Bremen arm.“
„Die Entwicklung in Bremen macht uns große Sorgen: 27,5 Prozent der Menschen waren 2025 in unserem Bundesland von Armut betroffen – erneut ein trauriger Rekord. Wenn dieser Trend anhält, ist bald jeder dritte Mensch in Bremen arm. Rechnet man jetzt noch die geplanten Kürzungen im Sozialbereich und die Reformpläne mit ein, wird sich die Lage dramatisch verschlimmern: Die drohenden Kürzungen in der Pflege, beim Wohngeld, bei Jugend- und Eingliederungshilfe träfen genau die Menschen, die auf den Sozialstaat angewiesen sind.
Die steigende Armut wird sich noch deutlicher auf der Straße, in den Arztpraxen oder bei der Tafel zeigen – und am Ende die Kommunen teuer zu stehen kommen. Auch wenn hier vor allem die Bunderegierung gefragt ist, fordern wir den Bremer Senat auf, der Bekämpfung von Armut und der Reduzierung der Armutsfolgen weiterhin Priorität einzuräumen – und zwar ressortübergreifend!“
Joachim Schuster, Verbandsratsvorsitzender des Paritätischen Bremen
Außerdem wiederholen wir unsere Bremer Forderungen aus der Vergangenheit:
- Wohnarmut: bezahlbaren Wohnraum schaffen, Mieter*innen schützen! Mehr Infos zu Wohnarmut in Bremen
- Pflegearmut: Hilfe zur Pflege an alle Berechtigen auszahlen! Mehr Infos zu Pflegearmut in Bremen
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Fakten zur Armut in Bremen 2025
- Die Armutsquote in Bremen liegt bei 27,5 Prozent (im Vergleich 2024: 25,9 %), siehe Bericht, ab S. 14
- Von insg. 707.000 Menschen (Statistisches Landesamt Bremen, Monatlicher Zahlenspiegel), gelten also über 194.000 Personen im Land Bremen als arm.
- In Bremen leben erneut die meisten von Armut betroffenen Menschen, die Kluft zwischen den Ländern nimmt zu: Auf Bremen folgt Sachsen-Anhalt (21,3 Prozent), alle anderen Bundesländer haben eine Armutsquote unter 19 Prozent, Bayern nur 12,6 Prozent.
- Der Abstand zwischen Bayern und Bremen hat sich 2025 erneut vergrößert.
- Bitte beachten Sie, dass uns für andere Kennzahlen wie Geschlecht, Alter oder Haushaltstyp nur Zahlen auf Bundesebene (nicht auf regionaler/kommunaler Ebene( vorliegen.
Fakten zur Armut in Deutschland 2025
- 13,3 Millionen Menschen lebten 2025 in Armut, die Armutsquote steigt auf 16,1 Prozent (2024: 13 Mio. Menschen / 15,5 %).
- 2025 lag die Armutsschwelle (Armutsgefährdungsschwelle) für Alleinlebende bei 1.446 Euro Nettoeinkommen im Monat, für eine vierköpfige Familie bei 3.036 Euro netto im Monat (Quelle: tagesschau.de)
- Als „armutsgefährdet“ gilt in Deutschland, wer weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens (Median) zur Verfügung hat.
- Wegen der Berechnungsgrundlage werden nur im eigenen Haushalt lebende Menschen gezählt. Damit bleiben relevante Gruppen außen vor: wohnungslose Menschen, Personen in Pflegeeinrichtungen oder anderen Unterkünfte wie Wohnheime der Behindertenhilfe oder Unterkünfte für Geflüchtete.
- Frauen sind mit 16,7 Prozent etwas häufiger von Armut betroffen als Männer mit 15,6 Prozent.
- Bei älteren Menschen ist die Situation unvermindert angespannt: Die Armutsquote liegt bei 19,5 Prozent. Damit ist inzwischen etwa jede fünfte Person ab 65 Jahren von Armut betroffen.
- 4,6 Millionen Personen leben in erheblicher materieller Entbehrung. Darunter etwa 1 Million minderjährige Kinder und Jugendliche und 650.000 Altersrentner*innen.